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Vier Punkte und vier Kilo schwerer

Volles Haus hatten wir am vergangenen Sonntagvormittag. Gleich 27 Schachspieler und eine Schachspielerin fanden den Weg in unseren Tempel, das Pfarrheim Maria Frieden. Während unsere Erste Mannschaft Nordhorn Blanke III im Kampf um den Klassenerhalt empfing, duellierte sich unsere Zwote mit unserer Dritten im Kampf um den Platz an der Sonne. Nicht aber im metaphorischen Sinne, sondern wortwörtlich, denn nach dem Mannschaftskampf wurde gemeinsam auf der Terrasse gegrillt. Es war, um es vorwegzunehmen, ein schöner, sonniger Schachsonntag – sowohl essenstechnisch als auch sportlich, wie die Überschrift erahnen lässt.

SV Kaponier Vechta – SK Nordhorn Blanke III

Bereits vor dem Auswärtsspiel in Emden vor drei Wochen (wie wir stolz nicht berichteten), erkannten wir den Ernst der Lage. Wir waren unten reingerutscht, mussten zusehen, irgendwo und irgendwie Mannschaftspunkte für das rettende Ufer zu holen. Es folgte ein befreiender 5:3-Auswärtssieg, bestenfalls Grund genug, um ein wenig durchzuatmen. Doch die Tabelle vor dem Heimspiel gegen Nordhorn Blanke lud ganz und gar nicht zur Verschnaufpause ein.

Man könnte meinen, von unserem Tabellenplatz aus richten wir den Blick eher nach oben, als nach unten. Doch beim genaueren Hinsehen stellt man fest, dass der Abstand zum Abstiegsplatz gerade einmal zwei Punkte beträgt, auf Osnabrück hingegen sind es ganze sechs.

In der Aufstellung, Schmitt, Tarasenko, Mählmann, Borshchov, Schermeier, Heermann, Rauber und Schaefer traten wir an.

Brett 3: Gerne machen Schachspieler akustisch auf sich aufmerksam (entweder durch das energische Drücken auf die Uhr oder das entschlossene Schlagen der Figuren), wenn sie einen überraschenden und zugleich dynamischen Zug spielen. Und nach noch nicht einmal zwei Stunden hörte man es in diesem Sinne am dritten Brett laut pfeffern! Zu unserem Leidwesen fand Hans-Joachim Schrader in folgender Stellung ein lehrbuchmäßiges Qualitätsopfer.

Jürgen, der seit seiner Taufe zum Kaponiero vor über einem Jahr noch kein einziges Mal verlor, übersah Txf6!. Nach gxf6 nimmt Weiß aber nicht etwa wieder, sondern dringt mit der Dame auf h6 ein – tödlich für Schwarz. Jürgen gab auf. 0:1.
Jürgen kassierte seine erste Niederlage als Kaponiero.

Brett 8: Zu seinem allersten Verbandsligaeinsatz kam Immanuel am achten Brett mit Weiß gegen Hendrik Geertsma. Immanuel bekam einen Franzosen aufs Brett und musste zunächst seine Theoriekenntnisse unter Beweis stellen. Ohne große Probleme spielte er die Eröffnungszüge herunter, fand dann, als er aus dem Buch schien – gemessen am Zeitverbrauch –, eine sinnvolle Entwicklungsroute für seinen noch auf der Ausgangsposition befindlichen Springer.

Über d2, b3 und d4 brachte Immanuel seinen Springer ins Spiel.

Immanuel baute sich nahezu fehlerfrei auf, ihm unterliefen wenn überhaupt nur kleinere Ungenauigkeiten. Nach 17 Zügen stand er besser.

Weiß hat die c-Linie unter Kontrolle und die wohl etwas bessere Leichtfigur (das Feld c5 lächelt einen ja fast schon an). Beklagen kann sich Immanuel über seine Stellung jedenfalls nicht.

Erst als die Damen und zwei Türme getauscht wurden, verflachte die Partie und Immanuel verspielte seinen Vorteil.

Weiß hat zwar einen Bauern mehr, Schwarz dafür aber einen sehr aktiven Turm auf der zweiten Reihe. Für beide Parteien scheint ein unmittelbares Fortkommen schwierig. Man einigte sich auf Unentschieden. 0,5:1,5.
Immanuel machte bei seinem Debüt in der Verbandsliga West einen hervorragenden Job und verdiente sich den halben Punkt.

Brett 7: Wie gewohnt packte Christoph in der Eröffnungsphase, die ja eigentlich aus tiefen Theoriekenntnissen und konkreten Zugabfolgen bestehen sollte, seinen unorthodoxen Harakiri-Stil aus. Ich selbst staunte nicht schlecht, als ich Christoph erst mit Mann und Maus verteidigen sah, ehe er mit den Türmen über die offene a-Linie in des Gegners Hälfte eindrang und auf hervorragende Art und Weise ein Mattnetz konstruierte.

Dass Weiß einen Bauern mehr hat, spielt keine Rolle. Der König auf e3 ist gefangen, das Matt (f3 oder e2) ist unvermeidlich. Chapeau, Christoph – tolles Comeback! 1,5:1,5.

Brett 6: Aus der Eröffnung heraus gegen Niklas Brinkers stand ich mit Weiß schon früh gut. Seinem Stonewall-Verschnitt hielt ich mein aktives Figurenspiel entgegen.

Der rückständige Bauer auf e6, die schwarzfeldrigen Schwächen am Königsflügel und der eingesperrte Läufer auf c8: Schwarz hat viele Schwächen, Weiß hingegen ist hervorragend entwickelt.

Ich vereinfachte das Geschehen, tauschte die für mich überflüssigen Leichtfiguren ab, um am Ende einen starken Springer gegen einen schwachen Läufer zu haben.

Es folgte e6! mit Öffnung der e-Linie. Weiter ging es mit Txe6, Te1, Td8, Txe6+. Lxe6 und Te1. Der schwarze Läufer wäre nicht mehr zu halten gewesen, Brinkers ließ sich schließlich ehrenwert Matt setzen. 2,5:1,5.

Brett 1: Dirk tat sich am ersten Brett etwas schwer und musste lange knabbern, bevor er im Turmendspiel nach einem Fehler seines Gegners gewinnen konnte.

 Weiß zog g4?, woraufhin Dirk sich am Bauern bediente (Kxf3). Die Bahn für den schwarzen e-Bauern war frei, das darauffolgende Txf6+ parierte unser Mannschaftsführer mit Tf4. 3,5:1,5.
Wenn alles gut läuft, knackt Dirk nach der Saison seine bisherige DWZ-Bestmarke von 2058 (Live-DWZ: 2057).

Brett 5: Nichts so gut lief es für K.P. am fünften Brett. Durch die Eröffnung kam er ohne große Probleme. Zwar hatte sein Gegner Raumvorteil, simpel verwertbar schien dieser aber nicht. Dann aber behinderten sich K.P.s Leichtfiguren in der Feldersuche gegenseitig, was sein Gegner Jörg Kölber ausnutzte.

Df4? sieht erstmal harmlos aus, ist aber ein Fehler. Denn b4! führt zum Figurenverlust, da es den Leichtfiguren an Rückzugsfeldern mangelt.

Doch auch danach war die Partie noch nicht entschieden. K.P. kämpfte sich zurück in Spiel, kontrollierte zeitweise die a-Linie, sah in Zeitnot aber nicht die besten Züge und musste sich im Endspiel geschlagen geben. 3,5:2,5.

Brett 2: Nazar erarbeitete sich schrittweise einen Vorteil und schien die Zügel fest in den Händen zu halten.

Der Computer zeigt in dieser Stellung +2,3 für Weiß an. Das scheint auf den ersten Blick nachvollziehbar, denn Weiß hat einen Bauern mehr, die bessere Bauernstruktur und einen im Vergleich zu Schwarz gut geschützten König.

Allzu einfach in einen Sieg ummünzen ließ sich die Stellung aber nicht. So musste Nazar notgedrungen in ein Turmendspiel mit nicht zu unterschätzender Remisgefahr übergehen. Nazar behielt die Nerven. 4,5:2,5.

Der Mannschaftskampf war also entschieden. Es stand nur noch die Frage im Raum, wie hoch er ausfallen würde. Wie auch schon in Emden zeigte sich Maksym nervenstark. Zum Schluss hatte er ein Endspiel auf dem Brett, in dem seine zwei verbundenen Freibauern stärker waren, als der Läufer. 5,5:2,5.

Nach schwachem Saisonstart hat sich Maksym gefangen und zeigt sich mittlerweile in Topform.
Kaponiero Kiebitze versammelten sich um das Brett von Maksym und drückten ihm die Daumen.

Die aktuelle Tabelle:

SV Kaponier Vechta II – SV Kaponier Vechta III

Der Mannschaftskampf zwischen der zweiten und dritten Mannschaft in der Bezirksklasse Süd-Ost steht sinnbildlich für die positive Entwicklung unseres Schachvereins. Ich werde nicht müde zu betonen, dass wir vor nicht allzu langer Zeit Probleme hatten, überhaupt zwei Mannschaften mit zehn Spielern zu füllen. Und nun kriegen wir problemlos 20 Schachspielerinnen und Schachspieler zusammen, alle im Dienste des SVK, drei Mannschaften, vollbespickt mit Jugendlichen, die man schlagen sollte, solange es noch geht.

Brett 2: An den letzten Satz wird sich Rainer vermutlich in einigen Jahren erinnern, durfte er doch am zweiten Brett gegen Illia (9 Jahre) antreten. Zugegebenermaßen zog unser Schachhäuptling unserem Kaponierinho relativ früh den Stecker, da Illia eine Fesselung übersah.

In dieser Stellung rochierte Illia, nur leider in die falsche Richtung. Er entschied sich für die große Rochade, was leider zum Verlust führt. Wer sieht den Gewinnzug? 1:0.
Rainer nutzte die Fehler von Illia eiskalt aus.
Trotz der Dino-Trinkflasche biss sich Illia am Häuptling die Zähne aus.

Brett 4: Auch Sascha konnte am vierten Brett einen der jungen Wilden schlagen. Er spielte mit Weiß gegen Fabian und drehte trotz kurzzeitiger Eröffnungsschwierigkeiten innerhalb weniger Züge die Partie. Eine fünfzügige Kombination mündete in einen Figurengewinn. Sehr gut gesehen, Sascha!

Dem schönen Doppelangriff ging eine mehrzügige Kombination voraus. Fabian konnte die Figur weniger nicht kompensieren, Sascha holte den vollen Punkt. 1:1.

Noch bemerkenswerter ist Saschas bisherige Saisonbilanz:

4/5 und eine Performance von 1800 sprechen eine deutliche Sprache.
Sascha spielt bislang eine hervorragende Saison.
Fabian übersah eine durchaus anspruchsvolle mehrzügige Variante und unterlag Sascha.

Brett 5: Während an den Brettern zwei und vier Figurenverluste die Partien frühzeitig entschieden, ging es zwischen Mark und Karl am fünften Brett deutlich enger zu. Mark sah sich mit Benoni konfrontiert, eine Eröffnung, in der Schwarz zunächst Raumverlust in Kauf nimmt. Auf hohem Niveau wird Benoni kaum noch gespielt, weil der Weißspielende in der Regel mit dem Raumvorteil umzugehen weiß.

Mark machte vieles richtig und sicherte sich immer mehr Raum (wie zu sehen, nun auch am Königsflügel).

Figuren tauschten sich ab, Mark gewann einen Bauern – es entwickelte sich ein Endspiel, welches wahrscheinlich für Lehrzwecke sehr gut geeignet ist.

Während Mark das Läuferpaar und zwei verbundenen Freibauern hat, hat Karl noch die wichtige Bauernressource auf a3.

Mark konnte den Vorteil noch für eine kurze Zeit halten, ehe Karl technisch sehr sauber in das Endspiel mit zwei ungleichfarbigen Läufern abwickelte und den halben Punkt festklammerte. 1,5:1,5.

Eine Traumstellung für Andreas Kähler, das Remis ist unvermeidlich.
Mark stand über weite Strecken besser als Karl, musste sich jedoch am Ende mit einem Remis begnügen.
Karl rettete sich dank einer klugen Abwicklung ins Remis.

Brett 6: Zu ihrem allersten Mannschaftseinsatz als Kaponiera im Erwachsenenbereich kam Julia am sechsten Brett gegen Danill. Bis zum 17. Zug war es materiell ausgeglichen, bevor Danill eine Qualität gewinnen konnte.

Der weiße Turm findet kein Feld, auf dem er nicht vom Läufer oder Springer geschlagen werden würde.
Julia bei ihrem ersten Einsatz als Kaponiera.

Trotz der Qualität weniger hielt Julia gut dagegen, suchte Angriffsmöglichkeiten und hatte zwischenzeitlich sogar die Chance, die Spannung wiederherzustellen.

Sh4 in dieser Stellung hätte zwar die Qualität nicht wettgemacht, doch Weiß hätte Schwarz damit durchaus vor Probleme stellen können. Der Springer hätte dort gut gestanden und das Feld g6 kontrolliert, ein Feld, auf das die weiße Dame immer wieder rüber geguckt hätte. Leider ein wenig zu viel „hätte“.

Bedauerlicherweise stellte Julia den Springer wenig später einzügig ein, womit die Partie entschieden war. 2,5:1,5.

Grund zur Freude hatte Danill, nachdem er gegen Julia die Qualität gewinnen konnte.

Da Martin seine Partie gegen Manfred gewinnen konnte und Viktor und Emil sich die Punkte am dritten Brett teilten, lautete der Endstand 4:2 für unsere Zwote.

Wie es sich gehört, schreibt Emil jeden Zug mit. Wie immer.
Viktor holte mit den schwarzen Steinen einen starken halben Punkt gegen Emil.
Trotz Niederlage hatte Manfred gute Laune parat.
Martin setzte sich am ersten Brett gegen Manfred durch.

Die Saison ist zwar noch nicht vorbei, aber die 2. Mannschaft um Mannschaftsführer Mark wird sie auf einem starken 2. Platz abschließen.

Im Anschluss wurde bei strahlendem Sonnenschein noch gemeinsam gegrillt. Die Stimmung war ausgelassen, die Mannschaften von Kaponier Vechta gingen mit vier zusätzlichen Punkten nach Hause – und die meisten wohl auch mit gefühlt vier Kilo mehr auf den Hüften.

Wir bedanken uns bei allen, die etwas vorbereitet und beim Auf- und Abbau mitgeholfen haben, und haben uns natürlich auch über alle gefreut, die an dem Tag dabei waren. Zum Saisonende werden wir das Ganze wiederholen.

Dirk hat seinen Teller mit Fleisch bereits zurückgelegt.
Bestimmt ein neuer Internettrend, für den ich zu alt bin.

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