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Vier Punkte und vier Kilo schwerer

Volles Haus hatten wir am vergangenen Sonntagvormittag. Gleich 27 Schachspieler und eine Schachspielerin fanden den Weg in unseren Tempel, das Pfarrheim Maria Frieden. Während unsere Erste Mannschaft Nordhorn Blanke III im Kampf um den Klassenerhalt empfing, duellierte sich unsere Zwote mit unserer Dritten im Kampf um den Platz an der Sonne. Nicht aber im metaphorischen Sinne, sondern wortwörtlich, denn nach dem Mannschaftskampf wurde gemeinsam auf der Terrasse gegrillt. Es war, um es vorwegzunehmen, ein schöner, sonniger Schachsonntag – sowohl essenstechnisch als auch sportlich, wie die Überschrift erahnen lässt.

SV Kaponier Vechta – SK Nordhorn Blanke III

Bereits vor dem Auswärtsspiel in Emden vor drei Wochen (wie wir stolz nicht berichteten), erkannten wir den Ernst der Lage. Wir waren unten reingerutscht, mussten zusehen, irgendwo und irgendwie Mannschaftspunkte für das rettende Ufer zu holen. Es folgte ein befreiender 5:3-Auswärtssieg, bestenfalls Grund genug, um ein wenig durchzuatmen. Doch die Tabelle vor dem Heimspiel gegen Nordhorn Blanke lud ganz und gar nicht zur Verschnaufpause ein.

Man könnte meinen, von unserem Tabellenplatz aus richten wir den Blick eher nach oben, als nach unten. Doch beim genaueren Hinsehen stellt man fest, dass der Abstand zum Abstiegsplatz gerade einmal zwei Punkte beträgt, auf Osnabrück hingegen sind es ganze sechs.

In der Aufstellung, Schmitt, Tarasenko, Mählmann, Borshchov, Schermeier, Heermann, Rauber und Schaefer traten wir an.

Brett 3: Gerne machen Schachspieler akustisch auf sich aufmerksam (entweder durch das energische Drücken auf die Uhr oder das entschlossene Schlagen der Figuren), wenn sie einen überraschenden und zugleich dynamischen Zug spielen. Und nach noch nicht einmal zwei Stunden hörte man es in diesem Sinne am dritten Brett laut pfeffern! Zu unserem Leidwesen fand Hans-Joachim Schrader in folgender Stellung ein lehrbuchmäßiges Qualitätsopfer.

Jürgen, der seit seiner Taufe zum Kaponiero vor über einem Jahr noch kein einziges Mal verlor, übersah Txf6!. Nach gxf6 nimmt Weiß aber nicht etwa wieder, sondern dringt mit der Dame auf h6 ein – tödlich für Schwarz. Jürgen gab auf. 0:1.
Jürgen kassierte seine erste Niederlage als Kaponiero.

Brett 8: Zu seinem allersten Verbandsligaeinsatz kam Immanuel am achten Brett mit Weiß gegen Hendrik Geertsma. Immanuel bekam einen Franzosen aufs Brett und musste zunächst seine Theoriekenntnisse unter Beweis stellen. Ohne große Probleme spielte er die Eröffnungszüge herunter, fand dann, als er aus dem Buch schien – gemessen am Zeitverbrauch –, eine sinnvolle Entwicklungsroute für seinen noch auf der Ausgangsposition befindlichen Springer.

Über d2, b3 und d4 brachte Immanuel seinen Springer ins Spiel.

Immanuel baute sich nahezu fehlerfrei auf, ihm unterliefen wenn überhaupt nur kleinere Ungenauigkeiten. Nach 17 Zügen stand er besser.

Weiß hat die c-Linie unter Kontrolle und die wohl etwas bessere Leichtfigur (das Feld c5 lächelt einen ja fast schon an). Beklagen kann sich Immanuel über seine Stellung jedenfalls nicht.

Erst als die Damen und zwei Türme getauscht wurden, verflachte die Partie und Immanuel verspielte seinen Vorteil.

Weiß hat zwar einen Bauern mehr, Schwarz dafür aber einen sehr aktiven Turm auf der zweiten Reihe. Für beide Parteien scheint ein unmittelbares Fortkommen schwierig. Man einigte sich auf Unentschieden. 0,5:1,5.
Immanuel machte bei seinem Debüt in der Verbandsliga West einen hervorragenden Job und verdiente sich den halben Punkt.

Brett 7: Wie gewohnt packte Christoph in der Eröffnungsphase, die ja eigentlich aus tiefen Theoriekenntnissen und konkreten Zugabfolgen bestehen sollte, seinen unorthodoxen Harakiri-Stil aus. Ich selbst staunte nicht schlecht, als ich Christoph erst mit Mann und Maus verteidigen sah, ehe er mit den Türmen über die offene a-Linie in des Gegners Hälfte eindrang und auf hervorragende Art und Weise ein Mattnetz konstruierte.

Dass Weiß einen Bauern mehr hat, spielt keine Rolle. Der König auf e3 ist gefangen, das Matt (f3 oder e2) ist unvermeidlich. Chapeau, Christoph – tolles Comeback! 1,5:1,5.

Brett 6: Aus der Eröffnung heraus gegen Niklas Brinkers stand ich mit Weiß schon früh gut. Seinem Stonewall-Verschnitt hielt ich mein aktives Figurenspiel entgegen.

Der rückständige Bauer auf e6, die schwarzfeldrigen Schwächen am Königsflügel und der eingesperrte Läufer auf c8: Schwarz hat viele Schwächen, Weiß hingegen ist hervorragend entwickelt.

Ich vereinfachte das Geschehen, tauschte die für mich überflüssigen Leichtfiguren ab, um am Ende einen starken Springer gegen einen schwachen Läufer zu haben.

Es folgte e6! mit Öffnung der e-Linie. Weiter ging es mit Txe6, Te1, Td8, Txe6+. Lxe6 und Te1. Der schwarze Läufer wäre nicht mehr zu halten gewesen, Brinkers ließ sich schließlich ehrenwert Matt setzen. 2,5:1,5.

Brett 1: Dirk tat sich am ersten Brett etwas schwer und musste lange knabbern, bevor er im Turmendspiel nach einem Fehler seines Gegners gewinnen konnte.

 Weiß zog g4?, woraufhin Dirk sich am Bauern bediente (Kxf3). Die Bahn für den schwarzen e-Bauern war frei, das darauffolgende Txf6+ parierte unser Mannschaftsführer mit Tf4. 3,5:1,5.
Wenn alles gut läuft, knackt Dirk nach der Saison seine bisherige DWZ-Bestmarke von 2058 (Live-DWZ: 2057).

Brett 5: Nichts so gut lief es für K.P. am fünften Brett. Durch die Eröffnung kam er ohne große Probleme. Zwar hatte sein Gegner Raumvorteil, simpel verwertbar schien dieser aber nicht. Dann aber behinderten sich K.P.s Leichtfiguren in der Feldersuche gegenseitig, was sein Gegner Jörg Kölber ausnutzte.

Df4? sieht erstmal harmlos aus, ist aber ein Fehler. Denn b4! führt zum Figurenverlust, da es den Leichtfiguren an Rückzugsfeldern mangelt.

Doch auch danach war die Partie noch nicht entschieden. K.P. kämpfte sich zurück in Spiel, kontrollierte zeitweise die a-Linie, sah in Zeitnot aber nicht die besten Züge und musste sich im Endspiel geschlagen geben. 3,5:2,5.

Brett 2: Nazar erarbeitete sich schrittweise einen Vorteil und schien die Zügel fest in den Händen zu halten.

Der Computer zeigt in dieser Stellung +2,3 für Weiß an. Das scheint auf den ersten Blick nachvollziehbar, denn Weiß hat einen Bauern mehr, die bessere Bauernstruktur und einen im Vergleich zu Schwarz gut geschützten König.

Allzu einfach in einen Sieg ummünzen ließ sich die Stellung aber nicht. So musste Nazar notgedrungen in ein Turmendspiel mit nicht zu unterschätzender Remisgefahr übergehen. Nazar behielt die Nerven. 4,5:2,5.

Der Mannschaftskampf war also entschieden. Es stand nur noch die Frage im Raum, wie hoch er ausfallen würde. Wie auch schon in Emden zeigte sich Maksym nervenstark. Zum Schluss hatte er ein Endspiel auf dem Brett, in dem seine zwei verbundenen Freibauern stärker waren, als der Läufer. 5,5:2,5.

Nach schwachem Saisonstart hat sich Maksym gefangen und zeigt sich mittlerweile in Topform.
Kaponiero Kiebitze versammelten sich um das Brett von Maksym und drückten ihm die Daumen.

Die aktuelle Tabelle:

SV Kaponier Vechta II – SV Kaponier Vechta III

Der Mannschaftskampf zwischen der zweiten und dritten Mannschaft in der Bezirksklasse Süd-Ost steht sinnbildlich für die positive Entwicklung unseres Schachvereins. Ich werde nicht müde zu betonen, dass wir vor nicht allzu langer Zeit Probleme hatten, überhaupt zwei Mannschaften mit zehn Spielern zu füllen. Und nun kriegen wir problemlos 20 Schachspielerinnen und Schachspieler zusammen, alle im Dienste des SVK, drei Mannschaften, vollbespickt mit Jugendlichen, die man schlagen sollte, solange es noch geht.

Brett 2: An den letzten Satz wird sich Rainer vermutlich in einigen Jahren erinnern, durfte er doch am zweiten Brett gegen Illia (9 Jahre) antreten. Zugegebenermaßen zog unser Schachhäuptling unserem Kaponierinho relativ früh den Stecker, da Illia eine Fesselung übersah.

In dieser Stellung rochierte Illia, nur leider in die falsche Richtung. Er entschied sich für die große Rochade, was leider zum Verlust führt. Wer sieht den Gewinnzug? 1:0.
Rainer nutzte die Fehler von Illia eiskalt aus.
Trotz der Dino-Trinkflasche biss sich Illia am Häuptling die Zähne aus.

Brett 4: Auch Sascha konnte am vierten Brett einen der jungen Wilden schlagen. Er spielte mit Weiß gegen Fabian und drehte trotz kurzzeitiger Eröffnungsschwierigkeiten innerhalb weniger Züge die Partie. Eine fünfzügige Kombination mündete in einen Figurengewinn. Sehr gut gesehen, Sascha!

Dem schönen Doppelangriff ging eine mehrzügige Kombination voraus. Fabian konnte die Figur weniger nicht kompensieren, Sascha holte den vollen Punkt. 1:1.

Noch bemerkenswerter ist Saschas bisherige Saisonbilanz:

4/5 und eine Performance von 1800 sprechen eine deutliche Sprache.
Sascha spielt bislang eine hervorragende Saison.
Fabian übersah eine durchaus anspruchsvolle mehrzügige Variante und unterlag Sascha.

Brett 5: Während an den Brettern zwei und vier Figurenverluste die Partien frühzeitig entschieden, ging es zwischen Mark und Karl am fünften Brett deutlich enger zu. Mark sah sich mit Benoni konfrontiert, eine Eröffnung, in der Schwarz zunächst Raumverlust in Kauf nimmt. Auf hohem Niveau wird Benoni kaum noch gespielt, weil der Weißspielende in der Regel mit dem Raumvorteil umzugehen weiß.

Mark machte vieles richtig und sicherte sich immer mehr Raum (wie zu sehen, nun auch am Königsflügel).

Figuren tauschten sich ab, Mark gewann einen Bauern – es entwickelte sich ein Endspiel, welches wahrscheinlich für Lehrzwecke sehr gut geeignet ist.

Während Mark das Läuferpaar und zwei verbundenen Freibauern hat, hat Karl noch die wichtige Bauernressource auf a3.

Mark konnte den Vorteil noch für eine kurze Zeit halten, ehe Karl technisch sehr sauber in das Endspiel mit zwei ungleichfarbigen Läufern abwickelte und den halben Punkt festklammerte. 1,5:1,5.

Eine Traumstellung für Andreas Kähler, das Remis ist unvermeidlich.
Mark stand über weite Strecken besser als Karl, musste sich jedoch am Ende mit einem Remis begnügen.
Karl rettete sich dank einer klugen Abwicklung ins Remis.

Brett 6: Zu ihrem allersten Mannschaftseinsatz als Kaponiera im Erwachsenenbereich kam Julia am sechsten Brett gegen Danill. Bis zum 17. Zug war es materiell ausgeglichen, bevor Danill eine Qualität gewinnen konnte.

Der weiße Turm findet kein Feld, auf dem er nicht vom Läufer oder Springer geschlagen werden würde.
Julia bei ihrem ersten Einsatz als Kaponiera.

Trotz der Qualität weniger hielt Julia gut dagegen, suchte Angriffsmöglichkeiten und hatte zwischenzeitlich sogar die Chance, die Spannung wiederherzustellen.

Sh4 in dieser Stellung hätte zwar die Qualität nicht wettgemacht, doch Weiß hätte Schwarz damit durchaus vor Probleme stellen können. Der Springer hätte dort gut gestanden und das Feld g6 kontrolliert, ein Feld, auf das die weiße Dame immer wieder rüber geguckt hätte. Leider ein wenig zu viel „hätte“.

Bedauerlicherweise stellte Julia den Springer wenig später einzügig ein, womit die Partie entschieden war. 2,5:1,5.

Grund zur Freude hatte Danill, nachdem er gegen Julia die Qualität gewinnen konnte.

Da Martin seine Partie gegen Manfred gewinnen konnte und Viktor und Emil sich die Punkte am dritten Brett teilten, lautete der Endstand 4:2 für unsere Zwote.

Wie es sich gehört, schreibt Emil jeden Zug mit. Wie immer.
Viktor holte mit den schwarzen Steinen einen starken halben Punkt gegen Emil.
Trotz Niederlage hatte Manfred gute Laune parat.
Martin setzte sich am ersten Brett gegen Manfred durch.

Die Saison ist zwar noch nicht vorbei, aber die 2. Mannschaft um Mannschaftsführer Mark wird sie auf einem starken 2. Platz abschließen.

Im Anschluss wurde bei strahlendem Sonnenschein noch gemeinsam gegrillt. Die Stimmung war ausgelassen, die Mannschaften von Kaponier Vechta gingen mit vier zusätzlichen Punkten nach Hause – und die meisten wohl auch mit gefühlt vier Kilo mehr auf den Hüften.

Wir bedanken uns bei allen, die etwas vorbereitet und beim Auf- und Abbau mitgeholfen haben, und haben uns natürlich auch über alle gefreut, die an dem Tag dabei waren. Zum Saisonende werden wir das Ganze wiederholen.

Dirk hat seinen Teller mit Fleisch bereits zurückgelegt.
Bestimmt ein neuer Internettrend, für den ich zu alt bin.
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SV Kaponier Vechta Vereinsmeisterschaft

Die Suche nach dem Vereinsmeister

Die Vereinsmeisterschaften 2026 sind in vollem Gange. Insgesamt 21 Kaponieros, Kaponierinhos und Kapinierinha haben sich für das Turnier angemeldet. Wenn wir so etwas hätten wie ein vereinsinternes Statistikbuch, könnte man sicherlich von einer Rekordteilnahme sprechen. Dass so viele Schachspielerinnen und Schachspieler bei der Vereinsmeisterschaft mitmachen, hätten wir uns vor geraumer Zeit nicht erträumen können. Superduper!

Eine Veränderung brachte die gestiegene Teilnehmerzahl mit sich: Im Gegensatz zum letzten Jahr spielen wir diesmal in zwei Gruppen, A und B, sortiert nach Spielstärke. Am Ende treffen die Gruppensieger im Finale aufeinander.

B-Gruppe

Makellos in das mit Abstand prestigeträchtigste Turnier Deutschlands gestartet ist Karl, einer unserer jungen Wilden. Wild trifft es dabei ganz gut, denn so lässt sich das ständige Auf und Ab in der Partie zwischen ihm (Schwarz) und Viktor (Weiß) in der zweiten Runde am besten beschreiben. Wie zu erwarten, baute sich unser langjähriger Routinier Viktor in Ruhe auf, auch Karl eröffnete lehrbuchgetreu. Alles schrie nach Ausgleich, ehe Karl ein gewollter (?!) Fehler unterlief.

Karl zog Tc8, was erstmal nach einem gewöhnlichen Entwicklungszug aussieht. Der Bauer auf a7, so vergiftet er auch scheinen mag, hängt aber einfach. Tc8 ist kein gewöhnlicher Entwicklungszug, sondern ein gewöhnlicher Fehler.

Viktor, in Manier eines eiskalten Elfmeterschützen (wie Andi Brehme 1990, links unten, unhaltbar), nahm den freien Bauern und hatte – jetzt kommt meine genieverdächtige, fast schon tautologische Schlussfolgerung – einen Bauern mehr. Diesen materiellen Vorsprung hielt Viktor zunächst, jedoch verschlechterte sich seine Stellung schrittweise. Schließlich kam es zur „wilden“ Taktiksequenz.

Die Gabel sehen wir, der Springer bedroht die Türme auf c1 und e1. Die einzige Möglichkeit für Weiß das gleichgewichtig zu halten, besteht darin, die Dame auf d3 zu „opfern“, um nach dem Zurückschlagen des schwarzen Läufers die Dame auf e7 mit dem Turm einzukassieren. Jeder andere Zug würde – + bedeuten.

Viktor entschied sich jedoch für einen der „jeden anderen“ Züge, woraufhin Karl blitzschnell eine fast schon spielentscheidende Fesselung aufstellte.

Da3! – ein schlicht und ergreifend toller Zug, den Karl spielte. Der Springer auf c3 lässt sich (eigentlich) nicht mehr halten. Die Partie ist (eigentlich) entschieden.

Viktor versuchte sein Glück und stellte eine letzte listige Falle auf und Karl, zu gierig nach der Figur und gedanklich schon auf der Zielgeraden wähnend, fiel drauf rein.

Statt mit dem Turm den Springer zu schlagen, schlug Karl mit der Dame auf c3, wodurch Viktor eine Gegenfesselung aufbauen konnte. Es war die schachliche „Selber, selber, lachen alle Kälber!“ Antwort, die Karl sichtlich an den Rand der Verzweiflung trieb (also wirklich so mit Augen rollen und Kopf schütteln und so).

Die Leichtfiguren tauschten sich ab und auch die zwei Damen flogen vom Brett. Zählte man nun das Material durch, hatte Viktor immer noch diesen einen Bauern mehr. Und ausgerechnet dieser Bauer wurde Viktor zum Verhängnis.

a4? – leider ein folgenschwerer Fehler. Wer sieht es? Richtig, Karl kann sich sorglos am Bauern bedienen, denn wenn Weiß den Turm zurückschlagen würde, wäre er auf der Grundreihe Matt (Tc1).

Und nun zeigte sich, warum Aktivität so wichtig ist beim Schach.

Während Weiß seine Bauern mit den Türmen passiv verteidigte, stand Schwarz mit zwei verbundenen Türmen auf der 2. Reihe, was grundsätzlich Alarmstufte rot bedeutet.

Karl übte Druck auf den weißen Bauern auf, gewann diesen und zwang Viktor im Turmendspiel in die Knie.

Die Stellung lässt sich mit Weiß nicht mehr halten.

Fazit: Karl gewinnt mit taktischer Finesse und einer ordentlichen Portion Glück gegen Viktor, dem nur zwei wirkungsvolle Fehler widerfuhren. Die Tabelle in Gruppe B:

A-Gruppe

In der A-Gruppe traf Guido (Habemus Guidom!! (bestimmt richtig dekliniert), unser großzügiger Getränkespender für das Grillfest nächste Woche Sonntag (liebes Vereinsmitglied, wenn du diese Stelle hier gerade liest und immer noch nicht geschrieben hast, was du zum Grillfest mitnehmen möchtest, dann sei doch so lieb und kümmere dich [GEFÄLLIGST] drum – danke 😊) auf K.P. (über diese stilvolle Abkürzung berichteten wir einst). Und grundgütiger, bitte lieber Schachgott, schütze alle Schwarzspielenden Schachspieler vor diesem ersten Zug.

Jeder Theorieschlacht aus dem Weg gehend, entschied sich Guido für seinen charakteristischen Eröffnungszug b3, was bekanntermaßen zu zähen Angelegenheiten führt.

Gerade wenn man nicht ständig mit Systemeröffnungen dieser Art konfrontiert ist, steht man schneller als man denkt mit dem Rücken zur Wand. Auch K.P. tat sich mit der guidoischen Stoizismus-Variante schwer.

Während die weißen Figuren harmonisch positioniert sind, steht Schwarz verdächtig unkoordiniert.

Den einzigen nennenswerten Lichtblick kreierte K.P. am Damenflügel, ein einsamer schwarze a-Bauer, der im richtigen Moment das gesamte Bollwerk aufreißen könnte. Problem des ganzen Vorhabens war, dass Guido diesen Bauern ins Visier seiner Angriffsbemühungen nahm.

Die Dame-Läufer Batterie schlägt zu, da der weiße Springer auf b6 die schwarze Verteidigungslinie blockiert. Inzwischen steht Weiß, so weit kann man sich aus dem Fenster lehnen ohne zu fallen, sehr dominant. b3, ein Zug für das bevorstehende Kandidatenturnier auf Zypern?

K.P. warf nun alles in die Waagschale, ließ sich auf einen Boa constrictor Partieverlauf (vom Gegner langsam erwürgt zu werden) nicht ein und entschied sich für das absolut materielle und offensive Ungleichgewicht (ein echter Kaponiero!). Er tauschte seine Dame gegen zwei Leichtfiguren, „wild“ trifft es demnach auch hier ziemlich gut. Gereicht hat es am Ende trotzdem nicht.

Dabei war es nicht nur der materielle Nachteil, der entscheidend war. Die Dame hat, was würde die Gen Z sagen, viel „space“, die Reihen 6, 7 (six-seven) und 8 sind zu anfällig.

K.P. gab sich wenig später geschlagen und reichte dem Getränkespender unseres Vertrauens die Hand. Der erste Coup, dem Guido gelang. Weitere werden wahrscheinlich folgen…

Tabelle A-Gruppe:

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3. Mannschaft Training und Vereinsabend

Dritte feiert ersten Saisonsieg

Das lange Warten hat ein Ende: Nach drei sieglosen Mannschaftskämpfen konnte unsere Dritte am vergangenen Sonntag ihren allerersten Mannschaftssieg in der Bezirksklasse Süd-Ost einfahren. Mit 4:2 setzte sich das Team um Mannschaftskapitän Sascha gegen das favorisierte Neubruchhausen durch. Daniel, Sascha und Immanuel holten jeweils einen vollen Punkt, Manfred und Karl remisierten, Illia verlor.

Sascha gelang am vierten Brett mit dem schwarzen Steinen der nächste Achtungserfolg. Nachdem er bereits am ersten und dritten Spieltag jeweils mit Schwarz gegen Rolf Hartmann und Walter Förste gewinne konnte, schlug er mit selbiger Farbe diesmal Stefan Ritter, der auf dem Papier satte 300 DWZ-Punkte stärker ist. Sascha griff auf seine Hauptwaffe, Pirc, zurück und erarbeitete sich im Mittelspiel dank eines klugen „Springer-am-Rand-Zuges“ einen Vorteil.

Mit Sh5 greift Sascha zum einen den schwarzfeldrigen weißen Läufer aufg3 an, zum anderen wird der Turm auf d4 vom schwarzen Läufer auf g7 bedroht.

Sascha spielte auf Sieg, und damit das gelingen konnte, übte er richtigerweise Druck auf die Schwächen des Gegners aus.

Der schwarze Läufer wurde auf h6 postiert und guckte gefährlich auf den ungeschützten weißen Bauern.

Ritter bemühte sich um Gegenspiel am Damenflügel, übersah jedoch eine spielentscheidende Gabel.

Sascha sicherte sich in einer ohnehin schon besseren Stellung für ihn mit Sd2 die Qualität mehr, womit die Partie quasi entschieden war.

Auch Daniel gelang am ersten Brett mit Weiß eine faustdicke Überraschung. Nominell war er Tobias Engelke (DWZ 1735) eigentlich haushoch unterlegen, doch dass Daniel auch stärkere Spieler schlagen kann, hat er bereits am zweiten Spieltag gegen Uwe Landwehr (DWZ 1716) unter Beweis gestellt.

e5?! ist doch sehr riskant und sollte nur gezogen werden, wenn man alles durchgerechnet hat.

Daniel nahm zuerst mit dem Bauern auf e5 und anschließend auf d5 – im Zentrum hingen plötzlich zwei schwarze Springer in der Luft.

Springer im Zentrum sind an sich nicht schlecht, doch diese beiden Springer waren den Angriffen der weißen Figuren schutzlos ausgeliefert.

Daniel spielte die Sequenz fehlerfrei weiter: Erst tauschte er die Springer auf e5 ab, ehe er das schöne Sc4! zog. Die schwarze Dame wich nach e6 zurück, woraufhin Daniel, das gesamte Brett nutzend, den Turm über h5!! in den Angriff einschaltete. Engelke probierte noch f5 zwischenzuschieben, doch den Bauern konnte Daniel bedenkenlos nehmen, da ein mögliches Dxf5 in die Gabel Sd6 reingelaufen wäre. Ein sehr sehenswerter Erfolg für Daniel.

Da, wie bereits geschrieben, auch Immanuel seine Partie gewinnen konnte, Manfred und Karl jeweils einen halben Punkt holten, war Illias Niederlage am dritten Brett lediglich ein kleiner Schönheitsfehler.

Alles in allem ein runder Erfolg für unsere dritte Mannschaft, der wir zum allerersten Mannschaftssieg überhaupt herzlich gratulieren möchten.

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1. Mannschaft

Große Sorgen nach Niederlage in Lingen

Schönreden können wir uns die Situation nun nicht mehr: Weil wir am vergangenen Wochenende mit 3:5 in Lingen die dritte Auswärtspleite im dritten Auswärtsspiel einstecken mussten, stehen wir vorübergehend auf dem letzten Tabellenplatz. Ja, richtig gelesen. Wir sind aktuell Tabellenletzter in der Verbandsliga West. Seit unserem Aufstieg in die fünfthöchste Spielklasse hat es das noch nie gegeben. Dabei sah es am Sonntagvormittag zunächst noch so aus, als könnten wir etwas mitnehmen.

Ralf, der dankenswerterweise am achten Brett eingesprungen ist, verschaffte sich früh einen Vorteil. Über die halboffene h-Linie drang unser Kaponiero in die Hälfte des Gegners ein und verwandelte den zunächst nur optischen Vorteil in einen materiellen um. Am Ende übersah sein Gegner beim Versuch, mit einem Dauerschach den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen, ein einzügiges Matt. 1:0.

Am dritten Brett ist Jürgen bekanntermaßen eine sichere Bank. Ohne dass es jemals gefährlich wurde, sicherte unser Punktegarant gegen Ramón einen halben Punkt. 1,5:0,5.

Hoch her ging es am zweiten Brett zwischen Arne Böhme und Nazar. Böhme, mit Zweitligaerfahrung und in der letzten Saison mit sensationellen 7,5/8, gewann den offenen Schlagabtausch (meine Laiensicht) gegen Nazar. 1,5:1,5.

Von da an kippte der Mannschaftskampf leider in Richtung der Emsländer. Maksym verlor trotz zeitweise guter Stellung gegen die nun seit vier Ligapartien ungeschlagene Hannah Möller (1,5:2,5) und auch ich musste mich am sechsten Brett wegen einer missachteten Taktik Luis Scheibl vollkommen verdient geschlagen geben (1,5:3,5). Da auch Uwe gegen Christian Möller verlor (1,5:4,5), war die Auswärtsniederlage besiegelt.

Zwei kleiner Erfolge konnten zumindest Martin und Dirk noch feiern. Dirk erkämpfte sich einen halben Punkt gegen keinen geringeren als GM Lev Gutman (2:5). Währenddessen bekam Martin mit Weiß die Stonewall-Eröffnung aufs Brett:

Der klassische Stonewall-Aufbau mit den Bauern auf c6,d5,e6 und f5 verspricht Stabilität (?!). Schwarz peilt eine Attacke am Königsflügel an. Weiß hingegen bemüht sich darum, am Damenflügel anzugreifen.
In dieser Stellung hat Martin (Weiß) bereits einen Vorteil. Erst tauschte er die Damen ab, bevor er dann die Bauern weiter am Damenflügel vorschob und die schwarze Kette sprengte. Martins Angriff ging deutlich schneller voran, als der seines Gegners.
Am Ende infiltrierte Martins Turm die schwarze Stellung und schnappte sich nacheinander die Bauern. Bevor Martins h-Bauer unaufhaltsam auf die Grundreihe marschierte, gab sein Gegner Reinhard Iseke auf (3:5).

Trotz des Erfolgs von Martin reichte es am Ende nicht. Wir stehen, wie eingangs erwähnt, auf dem letzten Tabellenplatz und müssen uns gewaltig steigern, wenn wir nicht absteigen wollen.

Schwarz auf weiß: Wir haben zwar ein Spiel weniger, besser wird der Blick auf die Tabelle dadurch aber nicht.