Wenn man bis zum letzten Spieltag rein rechnerisch hätte absteigen können und am Ende doch Vizemeister wird, ist es wohl eine Frage der Lebenseinstellung (Glas halbleer oder halbvoll?), ob von einer sportlich erfolgreichen oder unruhigen Saison die Rede ist. Außer Frage steht, dass wir uns den zweiten Tabellenplatz dank eines 5:3-Heimsieges gegen die Schachfreunde aus Spelle verdient haben – wenngleich an dieser Stelle gesagt werden muss, dass Spelle mit einer 0:2-Hypothek angereist war (Brett sechs und acht wurden freigelassen) und wir davon natürlich profitierten.
Brett 1
Und so machte es Dirk am ersten Brett im mannschaftsdienlichen Sinne höchst professionell, indem er mit den schwarzen Steinen in einer durchweg ausgeglichenen Partie gegen Patrick Meyjohann einen halben Punkt holte. Beide spielten nahezu perfekt, selbst die Engine gibt dem Autor dieses Textes nicht die Möglichkeit, sich über einen schlechten Zug von Dirk lustig zu machen. Wie schade. (2,5:0,5)

Brett 2
Deutlich aufregender ging es am zweiten Brett zu, sah sich Nazar (Weiß) doch mit der Aljechin-Verteidigung konfrontiert.

Nach den eröffnenden Theoriezügen kam Nazar nicht so richtig zu seinem Spiel. Vielmehr gewann sein Gegner Siegfried Löcken die Kontrolle über wichtige Linien, Reihen und Diagonalen – und stand zwischendurch prächtig.

Zum Glück fand Nazar irgendwie noch den Ausweg aus der Passivität. Wie Dirk, wickelte er die Stellung in ein Remisendspiel mit Türmen und ungleichfarbigen Läufer ab.

Brett 4
Zu einem zähen hin und her Geschiebe der Figuren, natürlich mit der jeweiligen Intention, die eigene Stellung peu a peu verbessern zu wollen, entwickelte sich das vierte Brett zwischen Maksym und Stefan Giese. Doch während Maksym mit seinen weißen Figuren kaum eine Angriffsidee zu stiften vermochte, lag Gieses Matchplan spätestens in folgender Stellung auf der Hand:

Giese trug den Angriff (leider) mustergültig vor, wich mehrfach einem Damentausch aus und finalisierte, wen überrascht es, genau, mit der Dame.

Brett 5
Wie bereits eingangs erwähnt wurde, hätten wir unter sehr unglücklichen Umständen auch absteigen können. Um dieses theoretische Szenario komplett aus der Welt zu schaffen, brauchten wir jetzt nur noch einen Brettpunkt. Und diesen bescherte uns Uwe, der damit seine formidable Debütsaison als Kaponiero krönte. Schon in der Eröffnung ging es gut für ihn los. Dank einer Taktik gewann er einen Bauern:

Entschieden war die Partie damit aber noch nicht. Zwar konnte Uwe den materiellen Vorteil halten, jedoch fand sein Gegner Christian Haumer die Ressource, eine Qualität gegen aktives Figurenspiel einzutauschen.

Uwe aber blieb cool, tauschte heiter ab und zwang seinen Kontrahenten in ein – + Endspiel.


Uwes Bilanz kann sich sehen lassen: Mit einer Performance von 1990 war er einer der Erfolgsgaranten der Saison.
Brett 6
Am sechsten Brett spielte ich mit Weiß gegen Stefan Kewe, der sich seit einigen Monaten in bestechender Form zeigt, gewann er auf den Landeseinzelmeisterschaften Anfang des Jahres doch das B-Open und kam er in der laufenden Saison auf überzeugende 6/7 („six-seven“) Punkten. Nach der eher unspektakulären Eröffnungsphase mit minimalen Ungenauigkeiten auf beiden Seiten entschied ich mich für Initiative im Austausch gegen einen Minusbauern. Der materielle Nachteil währte nur kurz, den Bauern holte ich mir schnell zurück. Hinzu kam, dass ich etwas aktiver stand.

Endgültigen Vorteil erlangte ich durch den Gewinn einer Qualität.

Kewe aber hielt gut dagegen und stellte mich dank seines starken weißfeldrigen Läufers, den er auf d5 zementierte, vor eine schwierige Entscheidung: Gebe ich die Qualität wieder ab oder spiele ich um den starken Läufer herum?

Schlussendlich schlug ich, auch wegen Zeitnot, den Läufer, mit dem Argument, dass ein halber Punkt für einen Mannschaftssieg ja genüge. Das Endspiel war trotzdem für mich besser. Weil auch Kewe unter Zeitdruck geriet und die Damen abtauschte, hatte ich am Ende ein Turmendspiel auf dem Brett, in dem ich volle Aktivität genoss.

Brett 8
Der Mannschaftssieg war eingetütet, am achten Brett ging es also vermeintlich „nur“ um reine Ergebniskosmetik. Dies war jedoch weder für Fabian noch für den erst achtjährigen Alexander Subenko (eines der vielversprechendsten Schachtalente Deutschlands) kein Grund dafür, alles schnell zu beenden und sich in die Hängematte zu legen.
Die beiden lieferten sich bis zum Schluss einen zähen und spannenden Kampf. Im Endspiel stand Fabian zwischenzeitlich sogar besser – wenn auch aus praktischer Sicht nicht so einfach zu sehen –, doch Subenko fand spielentscheidendes Gegenspiel.

Fabian verlor leider den Faden und verpasste es, die Stellung noch irgendwie zu verteidigen. Am Ende musste er sich trotz der erneut streckenweise ansprechenden Leistung (wie auch schon gegen Jever) geschlagen geben. 5:3


Das war’s also für diese Saison: Wir beenden die Spielzeit 25/26 auf einem erfolgreichen zweiten Platz. Die sportliche Beurteilung obliegt mir nicht und um ehrlich zu sein, habe ich jetzt auch keine Lust mehr zu schreiben. Das Wetter ist gut und ich sitze hier am Laptop…
Ach ja, wir haben noch gegrillt und es war lecker und so. Und die Stimmung war auch klasse. Danke für die Unterstützung! Bis zur nächsten Saison 🙂

